Restaurierungen für die Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar
Beim Brand der berühmten barocken Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar, wo Goethe einst als Bibliothekar tätig war, heute zählt die Bibliothek zum UNESCOWelterbe wurden 2004 rund 34'000 Bücher ein Raub der Flammen. Unter den stark beschädigten Büchern befinden sich auch 1100 Drucke, welche das Schweizer Geistesleben, vor allem des 18. Jahrhunderts, dokumentieren. Diese sog. Helvetica Papier, Leder und Pergamentbände bezeichnet das Bundesamt für Kultur als die „Spur der Schweiz in der deutschen Aufklärung“. Zu ihrer Rettung wurde in Zürich/Bern der Verein Pro Helvetica in Weimar gegründet, der Schweizer Spender und Sponsoren anspricht, um die notwendigen Gelder für die Restaurierung einzuwerben Die Helvetica sind deshalb so wertvoll und kunsthistorisch bedeutend, weil sie Marginalien, Randnotizen und Handeinträge von Schiller, Goethe, Wieland und vielen anderen Geistesgrössen enthalten. Dank Spenden von Schweizer Stiftungen sowie der öffentlichen Hand konnte in der Schweiz mit der Restaurierung bereits begonnen werden. Drei Schweizer Ateliers für Buchund Papierrestaurierung, darunter auch unser Atelier, haben sich zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen und arbeiten seit 2008 an der Wiederherstellung der durch Hitze, Löschwasser und Russ beschädigten Bände.
Die Restaurierung eines Ganzpergamentbandes
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vorher:
Das vom Brand erhitzte Löschwasser hat Klebstoff angelöst, sodass sich einzelne Elemente des Einbandes verschoben oder ablösten. Der Einband geriet aus der Form.
nachher:
Die Herausforderung bei der Restaurierung bestand darin, die teilweise geschrumpften Pergamente so zu dehnen, dass sie wieder auf den Einband passten.
vorher:
Durch das Löschwasser schrumpfte und verwellte das Pergament und löste sich vom Hinterdeckel ab.
nachher:
Die originale Rundung des Buchblocks konnte teilweise wieder hergestellt werden. Die Bünde sind durch die Hitze derart geschrumpft, dass sie den Buchblock in eine konkave Form zogen.
vorher:
Das Einbandpergament ist auf dem Vorderdeckel stark verwellt und die Einschläge an den Deckelkanten haben sich abgelöst.
nachher:
Die originalen Bünde wurden erneuert und diese wiederum durch die Pergamentdecke gezogen (weisse Punkte links am Einband). Eine Retusche der neuen Bünde war von der Bibliothek nicht gewünscht.
vorher:
Ansicht des Rückens. Das ganze Buch ist verkrümmt.
nacher:
Durch die Restaurierung konnte die originale Form wieder hergestellt werden.
vorher:
Bei geöffnetem Vorderdeckel ist die Zerstörung auf den Vorsatzblättern sichtbar (Falten, Risse und Fehlstellen). Durch Zufall wurde bei diesem Einband der Buchblock und die Schrift nur wenig beschädigt.
nachher:
Die Falten auf der Innenseite des Vorderdeckels (linke Bildhälfte) sind noch sichtbar. Auch der Russ konnte nicht vollständig gereinigt werden. Das Buch ist trotzdem wieder funktionsfähig.