Neumontage des St. Galler Klosterplans

Beim St. Galler Klosterplan handelt es sich um den ältesten noch erhaltenen Bauplan Europas. Der Plan ist im Jahr 819 oder um 830, kurz vor dem Baubeginn der St. Galler Klosterkirche durch Abt Gozbert, entstanden. Mit roten Strichen sind umrissweise die rund fünfzig Gebäulichkeiten einer Klosteranlage gezeichnet und mit erklärenden lateinischen Beischriften von zwei Schreibern im Kloster Reichenau versehen worden. Die ältere Forschung interpretierte den Plan hauptsächlich als Idealplan eines Klosters; vgl. das Forschungsprojekt zum Klosterplan an der University of California in Los Angeles: www.stgallplan.org

Der Grund für die Neumontage des St. Galler Klosterplans war eine gewisse Verwerfung in früheren Falzungen. Dies ist für Dokumente aus Pergament eine normale Erscheinung, selbst unter den guten klimatischen Bedingungen, die am Aufbewahrungsort des Klosterplans herrschen. Die Verwerfungen führten dazu, dass der Plan beim Herausnehmen aus seinem Behältnis am oberen Rand einhakte. Der Plan sollte nach dem Eingriff etwas planer liegen und an den Ecken und den Längsseiten mit hochtransparentem Polyester montiert werden, um eine erneute Verwerfung zu verhindern. Keinesfalls sollte der Plan auf einem Niederdrucktisch plan gelegt werden. Die Arbeiten sollten vor Ort in der Handschriftenkammer gemacht werden.


Der Plan ist aus seinem Behältnis entfernt und liegt in der Handschriftenkammer bereit. Der Plan ist in der Mitte bei einer früheren Falzung und an beiden Enden hochgebogen. Diese Verwerfungen sollen durch den Eingriff reduziert werden.


Um die hoch stehenden Teile des Plans planer zu bekommen, wurden diese Teile mit Streifen aus Gore-Tex-Gewebe belegt. Das weisse Polyestervlies darüber wurde leicht gefeuchtet, mit Folie abgedeckt und mit einem Brett leicht beschwert. Innerhalb von dreissig Minuten drang genug Wasserdampf ins Pergament des Plans, damit es an den behandelten Stellen weich wurde.


Leicht überlappend wurden an allen Kanten des Plans mit Löschkarton beschichtete Buchenholzleisten aufgelegt und mit Zwingen auf das unter dem Plan liegende Holzbrett befestigt. Im Laufe des Tages trocknete das Pergament, dabei schrumpfte es wieder auf seine Grösse vor dem Befeuchten, was eine Spannung verursachte und die hochgebogenen Teile des Plans plan legte.


Die Holzleisten sind wenige Millimeter auf den Plan gespannt.


Eine der hoch stehend Ecken vor der Behandlung


Die Ecke nach der Behandlung


Der Plan liegt nun flacher und kann auf einen alterungsbeständigen Karton montiert werden, unten rechts ein Streifen Polyester, der Plan wird unter diesen gesteckt.


Der Plan liegt an den Ecken in montiertem Zustand in Ecken aus Polyester, wodurch er in planer Lage fixiert ist.